Archtekt läßt Träume platzen

Quelle: Hattingen, 20.01.2012, DerWesten, Bastian Haumann

Sprockhövel
„Das Thema lässt uns wohl nicht los.“ Karin Hockamp fand passende Worte dazu, dass im regelmäßigen Turnus ein Gespräch über den aktuellen Planungsstand der Zeche Alte Haase auf der Tagesordnung der Lokalen Agenda steht, die sich regelmäßig in den Räumen des Stadtarchivs trifft.

Auch beim jüngsten Treffen saß Architekt Jürgen vom Hagen vor Grundrisszeichnungen und Plänen des zu Teilen unter Denkmalschutz stehenden Gebäudekomplexes. Lokale Agenda und Kulturinitiative würden das Areal gerne als würdiges Denkmal der Bergbaugeschichte sehen und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Doch was vom Hagen vorstellte, ließ die Träume platzen – vor allem den, dass die Maschinenhalle jemals ein Veranstaltungsort wird. Die Zeche soll mit Wohnungen erschlossen werden. Links vom Malakowturm sind bereits Lofts eingerichtet, rechts vom Turm sind Büroräume geplant. „Nach meinem Kenntnisstand soll dort die Diakonie unterkommen“, ergänzte Bernd Woldt, Beigeordneter der Stadt, später im Gespräch mit der Redaktion.

Auch im Turm, sogar in der Maschinenhalle – beides steht unter Denkmalschutz – sollen Wohnungen entstehen. Zumindest für die Maschinenhalle soll die Bauvoranfrage auf dem Weg sein. „Sollte dem zugestimmt werden, würden die Baumaßnahmen aber nicht vor 2013 beginnen.“ Erich Schultze-Gebhardt hakte nach. „Was geschieht mit dem unter Denkmalschutz stehenden Kran in der Halle und was wird mit den alten Wand-Kacheln?“ Vom Hagens Antwort: „Kran und Kacheln sollen demontiert werden, wenn sich kein Eigentümer findet, der beides als Gestaltungsmittel der Wohnung behalten möchte. Beides soll aber nach Möglichkeit erhalten bleiben.“

Beigeordneter Woldt kannte weder diese Pläne noch eine entsprechende Bauvoranfrage. Enttäuscht fragten die Agenda-Mitglieder nach: „Wann hat Sprockhövel es verpasst, die Zeche der Öffentlichkeit zuzuführen?“ „Als der Planung des Veranstaltungszentrums die Absage erteilt wurde“, so die Antwort des Architekten, der hinzufügte: „Das scheiterte nicht nur an der Finanzierung, sondern auch an der Parkplatz- und der aktuellen Wohnsituation.“

Weitere Frage: Werden dort Veranstaltungen jemals möglich sein? Vom Hagen: „Nein, nicht mal temporär.“ Abermals Enttäuschung in den Gesichtern der Agenda-Mitglieder. Denn der aktuelle Plan, das Sprockhöveler Bergbauwahrzeichen in ein „großes Wohnhaus“ umzuwandeln, ließ die Anwesenden recht ratlos zurück. Überall am Tisch war enttäuschtes Murmeln wahrzunehmen. Vergeblich suchten sie einen Schuldigen für den Missstand.

Argumente: Die Stadt stehe nicht hinter der Zeche. Es fehle die Unterstützung in der Bevölkerung. Andere Städte im Umkreis machen es so toll, hier passiere nichts. „Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als ein trauriges Resümee zu ziehen. Doch vielleicht bietet sich mal eine andere Möglichkeit. Wir müssen weiterhin wachsam sein“, so Karin Hockamp.

Auch der Anbau, den manche spöttisch als „Bunker“ bezeichneten, soll weichen. Und es gibt noch einen Dorn im Auge der Denkmalbewahrer: Fünf Reihenhäuser, an die Architektur der Zeche angelehnt, sollen auf einer Fläche neben dem Bergbaudenkmal entstehen. „Und was ihr uns da hinsetzen wollt, das sieht aus wie ein besserer Bauernhof“, wetterte Udo Unterieser.